CDs generell    Giovanni Bottesini    Quintett-à-Tête    Tango danzarín    Der Wind hat mir...

Stücke

Rezension

 

 

Jede CD kostet 12.- Euro zuzüglich 3.- Euro Versandspesen innerhalb Deutschland

Schicken Sie einfach eine Mail. -> eMail

 

 

Und hier geht’s zur Web-Site
vom Bandoneonisten
Enrique Telleria!

Stücke    zurück

zurück

Reutlinger Generalanzeiger

Überschrift: Total emotional

Aktuelle CD: Das "musica varia ensemble" bittet zum Tango

Es gibt nur einen echten Tango: den aus Argentinien. Alles andere ist europäisch geschönt. Ist nicht mehr das wilde, unberechenbare, aufsässige Tier, sondern die Schmusekatze, die kaum noch weiß, was Leidenschaft bedeutet. Der Tango kommt aus der Subkultur. Er ist Protest. Widerstand. Lebensgefühl derer, die nichts zu erwarten haben. Er ist traurig. Verzweifelt. Stolz. Voller Gier und Sex. Es gibt keinen Tanz, der deutlicher ausdrückt, um was es geht.

Also weg mit dem domestizierten Tanzstunden-Tango und hin zum Ursprung, dem ungebärdigen, triebhaften, kämpferischen und dem hinreißend zärtlichen. Die fünf Mitglieder des Reutlinger "musica varia ensembles" beschäftigen sich seit Jahren mit dem Tango. Das Ergebnis ihrer Arbeit liegt jetzt in einer CD vor, deren Faszination gewaltig ist.

Siebzehn Musikstücke umfaßt sie. Neben Tangos von Großmeistern dieses Tanzes wie Carlos Gardel, Angel Gregorio Villoldo oder — aus neuerer zeit — Astor Piazzolla enthält sie auch einen argentinischen Walzer sowie eine Candombe und zwei Milongas, Vorläufer des Tangos. Die Arrangements hat sich das "musica varia ensemble" fast ausschließlich von argentinischen Musikern schreiben lassen. Sie stehen für authentizität. Etwa ein Drittel der Stücke spielt das "musica varia ensemble" als reines Streichquintett. Das ist ungewöhnlich, aber vom klanglichen Ergebnis her eine Wucht. Der Klang ist voll, geschliffen und farbig und er hat einen rhythmischen Motor im Keller, wie man es vom Jazz her gewohnt ist. Bei den anderen Nummern mischt das typische Tango-Instrument Bandoneon mit, das von dem Berliner Lothar Hensel brillant und mit jener gespannten Lässigkeit gespielt wird, die Gefühle schürt und tanzen läßt.

Die CD mit dem Titel "Tango danzarín" enthält in der Art einer Retrospektive eine Mischung verschiedener Formen und Sinnhaftigkeit des tangos immer wieder von neuem. Das Faszinierende aber ist, wie sich das "musica varia ensemble" stilistisch auf den argentinischen Tango und seine ganz anderen Spielweisen eingestellt hat. Da mußte alles philharmonische Wissen gekippt werden — kein Frack und keine "klassische" Ordnung, sondern heftiges Rubato, ein Pendeln von Extrem zu Extrem, ein ruppiger, agressiver Ansatz, schmelzende Süße und brutale kraft, perkussive Elemente, ein freier Gestus, der übers metrum hinweggeht, und ein Musizieren mehr aus dem Bauch als aus dem Kopf heraus, damit die Sache schwingt und lebt.

Stilistisch ist diese CD ein Volltreffer. Vibrierend, sinnlicher, härter und lockender im Klang kann man Tango derzeit nicht hören. Der Aufruhr dieses Tanzes brennt in den Ohren. Auch technisch ist diese Aufnahme, die in der Johanneskirche in Mössingen-Bästenhardt entstand, ein Leckerbissen. Wer die Surround-Matrizierung nicht nutzen kann, erlebt auch auf einer normalen Stereo-Anlage höchste Klangqualität. "Tango danzarín" wird europaweit über den Fachhandel angeboten. Risiken und Nebenwirkungen bestehen allerdings: Man kann durch diese Scheibe süchtig werden. Tangosüchtig.

Tango danzarín “Scene Stuttgart”

Überschrift: Tango - Fieber

Tango danzarín

Musik: sehr gut

Klang: sehr gut

Eine der erstaunlichsten Entdeckungen angesichts der derzeitigen Tango-Flut ist die Variationsbreite der möglichen Besetzungen. Die hier eingespielten Tangos entfalten ihren Reiz nicht zuletzt durch die weitgehende Parität zwischen Streichquintett und <Lothar> Hensels Bandoneon. Ob dialogisierend oder unisono, die beteiligten Musiker demonstrieren, daß man auch ohne einen Tropfen argentinischen Blutes die Seele des Tangos aufspüren kann. Im Gegensatz zu Stars wie Gidon Kremer oder jüngst Yo-Yo Ma, findet sich hier bei der Streichersoli kein Virtuosen-Ton. Statt dessen beschwört das "musica varia ensemble" den exaltierten Kaffeehaus-Sound mit viel Vibrato und schrammeligem Schmelz — authentisch! Und Hensels Bandoneon-Kunst ist untadelig.

zurück

Das Reutlinger Streichquintett “musica varia ensemble” hat zwei Compact Discs eingespielt

Schwäbisches Tagblatt

Wer ein Gegengift zur Weihnachts-Besinnlichkeitsmusik aller Schattierungen sucht, ist mit "Tango danzarín" gut beraten. 17 Tangos hat das Reutlinger "musica varia ensemble2 aufgenommen, unterstützt vom Experten Lothar Hensel, der bei zwölf Nummern mitspielt und seinen Ruf als exzellenter Bandoneon-Virtuose bestätigt.

Der argentinische Tango sei "ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann" — so zitiert das informative Booklet Enrique Santos, und naturgemäß herrscht eine melancolico-Grundstimmung. Auf schwarzer Folie aber leuchten scherzando-, sarcastico- und amoroso-Kontraste umso intensiver. Zumal, wenn sich das Quintett aus mit allen klangtechnischen Wassern gewaschenen Instrumentalisten zusammensetzt, sämtlich Streicher der Württembergischen Philharmonie Reutlingen.

Von der knappen Stunde Gesamtspielzeit wird keine Minute langweilig. Überraschend vielfältig sind die formalen Mittel der alten Komponisten-Garde, drei Titel stammen vom Großmeister des Tango Nuevo, Astor Piazzolla, und das mit souveräner Tempo-Lässigkeit agierende Ensemble kostet die klang-sinnlichen Valeurs aus: laszive Portamenti-Schluchzer und -Schleifer, dunkel timbrierte lustvolle Zärtlichkeit, ruppige Zugriffe, Staunenswert perfekt ist die Aufnahmequalität in Surround-Technik; noch bei homogenem Zusammenklang sind die einzelnen Instrumente trennscharf zu identifizieren.

Alle Arrangements, bis auf Piazzollas "Michelangelo 70", den Hensel bearbeitete, stammen von argentinischen Musikern. Mit guten Gründen wurde die CD für den Kritiker-Schallplattenpreis in der Sparte "World Music" nomminiert. Sehr hörenswert, nicht nur zur Weihnachtszeit — im letzten "Taqito militar" (sehr unpreußisch) gibt´s noch eine hübsche Überraschung.

Zwei Fünferbanden trafen 1996 aufeinander; daraus entstand eine weitere CD: musica varia und die Tänzer/innen der avantgardistischen Schweizer Formation LYNX. Die Musik zum Projekt "Quintett-á-Tête" (läuft gerade im Tübinger Sudhaus) enthält 20 sehr unterschiedliche Nummern, abwechslungsreich, aber keineswegs beliebig zusammengestellt.

Einige "Evergreens" sind dabei, von Piazzola, Ellington, Rossini und Cole Porter sind vertreten. Das kürzeste Stück ist mit einer halben Minute der amüsante "Blue Suede Waltz" vom Ensemble <selbst>. Satte siebeneinhalb dauert ein als Lieblingsstück taugliches "Stormy Weather" im Arrangement von Günter Sopper. "Wir machen Musik" ("...da geht Euch der Hut hoch", von Peter Igelhoff selig) hat man noch nie erträglicher gehört; die Fünferbande spielt es intelligenter und witziger als das Original. Auch auf dieser CD ein Tango, nicht von schlechten Eltern: "Youkali", von Kurt Weill.

Die Musiker musizieren facettenreich, technisch perfekt, lebendig, erreichen nicht nur im Andante aus einer Rossini-Sonate (No. 3) die Klangfülle eines kleinen Streichorchesters — uneingeschränkt empfehlenswert.

zurück